
Befristete Verträge Jobs gibt's nur noch auf Probe
BILD.de erklärt, was hinter dem Trend steckt
„Lieber befristet beschäftigt als unbefristet arbeitslos“ – das hat Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm einmal gesagt. Die neuesten Entwicklungen auf dem Job-Markt geben ihm recht.
Wer einen festen Job will, muss immer öfter zunächst auf Probe arbeiten.
Nach neuesten Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) war 2009 jede zweite Neu-Einstellung befristet. 2001 lag die Quote noch bei 32 Prozent.
Daten des Statistischen Bundesamts zeigen: Fast zehn Prozent der Beschäftigten in Deutschland haben einen zeitlich befristeten Vertrag. Das ist der höchste Stand seit 20 Jahren.
IAB-Vize-Chef Ulrich Walwei zu BILD.de: „Der Trend zu befristeter Arbeit hat sich in Deutschland durchgesetzt.“
Gründe sind die Globalisierung und der Wunsch der Betriebe nach mehr Flexibilität. „Auch von den Hartz-Reformen ging ein Signal-Effekt an die Arbeitsuchenden aus, verstärkt auch sogenannte atypische Beschäftigungsverhältnisse anzunehmen“, erklärt Walwei.
VOR ALLEM JUGENDLICHE BETROFFEN
Die befristeten Neuanstellungen treffen vor allem junge Arbeitnehmer sowie Personen, die im Beruf aussetzen mussten oder die aus der Arbeitslosigkeit kommen. „Der Trend wird sich bei diesen Gruppen auch fortsetzen“, sagt Walwei.
Lediglich bei den Jüngeren gibt es in Zukunft bessere Aussichten auf Festanstellungen ohne Zeitlimit. „Wir haben ein demografisches Nachwuchsproblem. Gut qualifizierte Nachwuchskräfte haben damit zukünftig mehr Macht in den Jobverhandlungen und können besser eine Festanstellung fordern.“
FLUCH ODER SEGEN?
Die Befristung muss kein Nachteil sein. „Die Hälfte der befristet Beschäftigten wird im Anschluss unbefristet übernommen“, sagt Walwei.
Eine befristete Beschäftigung gebe immerhin die Chance, sich im Betrieb zu bewähren und sehe im Lebenslauf besser aus als eine Phase der Arbeitslosigkeit.
Jochen Kluve, Arbeitsmarktexperte am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), beruhigt: „Die gute Nachricht ist doch: Mehr als 90 Prozent haben eine Festanstellung.“ Allerdings sieht auch er den Trend zu mehr befristeten Verträgen, aber auch zu mehr Leih- und Zeitarbeit: „Im Internationalen Wettbewerb müssen viele Unternehmen diese Mittel nutzen, um flexibel reagieren zu können. Das wurde durch die Krise noch verstärkt.“
REGIERUNG FÜR MEHR FLEXIBILITÄT
Laut einem Bericht der Zeitungen der „WAZ“-Gruppe feilt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bereits an einem Gesetz, um die Befristung von Arbeitsverträgen zu erleichtern. Mehr Beschäftigte müssten dann damit rechnen, keinen unbefristeten Vertrag mehr zu erhalten, sondern Jobs mit Zeitbegrenzung auf beispielsweise zwei Jahre.

































